Bali und der Vulkan Agung – Erfahrungen und Gedanken

Am 28.9.2017 erfahre ich, dass in Bali aufgrund der Aktivitäten des Vulkan „Gunung Agung“ die höchste Warnstufe ausgerufen wird.  Der Agung ist die höchste Erhebung Balis und galt bereits vor der Einführung des Hinduismus als heiliger Berg. Dieser Bergkult mischt sich mit der Verehrung Shivas, besonders in seiner Form als Sonnengott Surya. Noch befinde mich in Berlin, mein Flug nach Bali soll in einer Woche gehen. Sollte ich mir Sorgen machen? Ich gestehe, dass ich mich durch die Berichterstattung verunsichern lasse und schmiede „Plan B“. Vielleicht nach Thailand? Oder Vietnam? Nein.. Ich entschließe mich, meinem selbst gestecktem Vorsatz zu folgen und vertraue der Fügung. Ich spüre, dass ich nächste Woche in Bali bin. Außerdem bin ich in diesem Jahr freiwillige Helferin beim Balivegan Festival.

Viel Rauch um nichts?

Meine letzte Reise nach Bali verzögerte sich um Tage, als 2015 der Vulkan Rinjani in Lombok ausbricht. Ich schiebe den Gedanken, was das mit mir zu tun hat beiseite und vertraue darauf, dass mein Flug am 5.10. geht. Alles andere wird spontan entschieden. Es ergeben sich schließlich immer Lösungen und Auswege, wenn sich eine Tür schließt. Als würde uns das Universum sanft in die richtige Richtung leiten. Letztendlich sitze ich tatsächlich im Flugzeug Richtung Bali- einerseits erleichtert, andererseits mit einem mulmigen Gefühl. Nicht aus Angst vorm Agung, sondern weil ich mich an einem Scheideweg in meinem Leben befinde. Das bedeutet für mich, Altes loszulassen um Neues zu empfangen.

Baliveganfestival ich komme!

Nachdem ich meine erste Krise hier überwunden habe, freue ich mich auf das Baliveganfestival. Währenddessen ist die Gefahrenstufe nach wie vor auf der höchsten Stufe. Tausende Flüchtlinge müssen ihre Häuser verlassen und werden in Notunterkünften versorgt. Unzählige Helfer und gemeinnützige Organisationen helfen bei der Versorgung der geflüchteten Menschen und Tieren. Ich bekomme davon auf dem Baliveganfestival nicht viel mit. Der Agung wirft seinen Schatten (noch) nicht auf Ubud und ich genieße die positive Energie des Festivals.

Das Leben geht weiter…

In den kommenden Wochen scheint das Leben auf Bali seinen normalen Gang zu gehen. Bis auf gelegentliche Klagen der Einheimischen über den Rückgang der Touristen ist hier nichts von den Aktivitäten des Agung zu spüren. Auch ich konzentriere mich auf meine Alltag, die ersten Schritte als digitale Nomadin wollen getan werden. Das Ziel meiner Reise ist es, diesen Lifestyle auszuprobieren, weil ich mich von der Idee angezogen fühle, frei über meine Zeit und meinen Arbeitsort entscheiden zu können. Mit der Freiheit kommt die Verantwortung, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und Entscheidungen zu treffen. Mein erstes Projekt scheitert, allerdings lerne ich während der Vorbereitungen wundervolle Menschen kennen, die nun Teil meiner Mastermindgruppe sind. Es läuft zwar nicht, wie geplant, aber die Learnings und Kontakte sind unbezahlbar.

Wie Balis transformierende Energie mich therapiert hat 

Bali forderte mich sehr hart heraus. Diese Energie hier ist unbeschreiblich. Ich sehe mich konfrontiert mich mit einem ständigen Wechsel aus Loslassen und Annehmen. Einerseits spüre ich Angst, Unsicherheit, Wut und Scham. Andererseits bin ich erfüllt von Dankbarkeit, Mut und einer schwerelosen Leichtigkeit. Vertrauen und Loslassen, immer ein Stück mehr. Platz schaffen für mich selbst und für meine Bestimmung. Das Heilen von Wunden erfolgt nicht immer ohne Schmerz und Veränderung ist das einzige, worauf wir uns verlassen können. Wir entscheiden mit unserem Mindset und unseren Bewertungen, wie wir mit den Krisen des Lebens umgehen. Halten wir uns an der Vergangenheit fest oder befinden wir uns im Fluss des Lebens?

Der Agung bricht aus und Flüge werden gecancelt

Ein weiterer Traum von mir ist, noch einmal am Schweigeretrat in Thailand teilzunehmen. Der Flug ist gebucht, am 29.11. geht es los. Am 25.11. dann die erste Eruption des Agung. Noch mache ich Witze, denn ein Freund von uns, den wir nicht gehen lassen wollen, fliegt in zwei Tagen zurück. „Du wirst nicht fliegen können“ lachen wir. Keiner glaubt daran, dass sein Flug wirklich gecancelt werden sollte. Am Tag der Abreise nach einem traurigen Abschied kommt zwei Stunden später die Nachricht: „Ich komme zurück, mein Flug wurde gecancelt!“ Des einen Leid ist des anderen Freude, denn wir sind ziemlich happy, noch eine weitere Woche gemeinsam verbringen zu dürfen.

Nichts wie weg aus Bali…

Währenddessen verdränge ich erfolgreich, dass auch mein Flug gecancelt werden könnte und schwelge in Vorfreude auf mein Retreat. Ich sehne mich danach, 10 Tage zu schweigen und das einfache Klosterleben zu genießen. Ich freue mich auf meinen Rückzug ins Paradies, um tief in meine Seele zu tauchen, um zu heilen, um verborgene Schätze zu bergen. Den Lektionen der Weisen zu lauschen und von Inspiration, Dankbarkeit und Liebe getragen zu werden. Den eigenen Ängsten tief in die Augen schauen und erkennen, dass das größte Monster nur eine Illusion ist. Ja, ich freue mich auf mein Retreat und bin zutiefst erschüttert, als auch mein Flug einige Tage später gecancelt ist. Ich will hier weg, in die Stille, in die Einsamkeit, zur Quelle meiner Inspiration. Aber der Agung pfeift auf meine Pläne und zwingt mich, zu bleiben wo ich bin.

Was wäre wenn…

Ich lerne das, was ich mir im Retreat versprochen habe auch im „wahren“ Leben. Die Natur ist mein weiser Lehrer, das Universum meine Meditationshalle. Wenn ich geflogen wäre, dann wären mir einige Erfahrungen erspart geblieben. Wieder habe ich Kontakte zu Menschen geknüpft, deren Begegnung ich mit keiner Retreaterfahrung in der Einsamkeit eintauschen möchte. Wieder einmal werde ich mir der Tatsache bewusst, dass das Leben passiert, während wir Pläne schmieden. Es liegt an uns, wie wir mit Krisen umgehen und wie wir darauf reagieren. Nach all den Erfahrungen lerne ich, immer mehr zu vertrauen, weil es immer zwei Seiten der selben Medaille gibt. Gut oder Schlecht sind nur Bewertungen, die wir Situationen geben. Ich habe es dem Agung zu verdanken, diese Wahrheit noch tiefer verstanden zu haben.

Zwei Seiten einer Medaille

Während der Unruhen des Vulkans veranstalten die Priester  Zeremonien, um den Vulkan zu besänftigen. Doch die Natur hat ihre eigenen Pläne und es ist nicht immer schlecht, wenn wir sie einfach machen lassen. Einerseits reisen tausende Touristen aus Bali ab oder kommen gar nicht erst her, was Verluste in

der Tourismusbranche nach sich zieht. Andererseits profitieren einheimische Unternehmer vom Vulkanit und der Vulkanschlacke, die infolge einer Eruption entsteht. Das Vulkangestein wird für den Bau von Häusern und Unterkünften verwendet – Rohstoffe die teuer sind, wenn sie aus beispielsweise aus Java importiert werden müssen. Einerseits sind tausende Menschen und Tiere gezwungen, die Gefahrenzone im Umkreis von 12 km um den Agung zu verlassen. Andererseits reichert die Vulkanasche den Boden mit wertvollen Nährstoffen an und macht ihn dadurch besonders ertragreich. Zwei Seiten der selben Medaille. Einzig unsere Perspektiven und Bewertungen machen den Unterschied.

Agung Healthylifebalance Veränderung

Zerstören, Erschaffen, Erhalten

Dank des Agung muss ich also später fliegen, verpasse mein Retreat und komme so mit einen Menschen in Kontakt, der mir die Philosophie des Yoga näher bringt. Wir sprechen über die Energie der Zerstörung, ohne die Auferstehung nicht möglich ist. Als einer der wichtigsten Götter im Hinduismus wird Shiva auf Bali genau so verehrt, wie der heilige Agung selbst. Shiva ist ein Teil der göttlichen Trinität (Brahma – Shiva – Vishnu) und manifestiert sich als Zerstörer. Er ist die Ursache allen Lebens, denn ohne die Zerstörung des alten Zyklus, kann es keine neue Schöpfungsperiode geben. Brahma, Vishnu und Shiva stellen die drei fundamentalen Kräfte der Natur dar: die Schöpfung, die Erhaltung und die Zerstörung.

Fazit

Wir sind umgeben von einem perfekten Universum. Wir verstehen nicht immer, welchen Sinn bestimmte Ereignisse haben und sind selten imstande, das ganze Bild zu sehen. Aber nur, weil wir das große Ganze nicht sehen oder verstehen können, bedeutet das noch lange nicht, dass es nicht existiert. Wenn wir lernen, mit allen Sinnen genau hinzuspüren, werden wir es möglicherweise verstehen. Wir haben vielleicht die Chance, dieses unglaublich perfekte System zu begreifen und ein Stück mehr zu erkennen, indem wir aufmerksam beobachten, ohne Bewertungen. Und so nimmt das Geschehen um uns seinen natürlichen Lauf. Während wir unserer Wege gehen, während wir einander begegnen, während wir langsam ein – und wieder ausatmen.

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