Ānāpānasati – 10 Tage Schweigen im Wat Suan Mokkh

Was ist Ānāpānasati?

Ānāpānasati  bedeutet soviel wie achtsam ein- und ausatmen. „Ānāpāna“ verweist auf das Ein- und Ausatmen und „Sati“ bedeutet Achtsamkeit. Im wunderschönen Wat Suan Mokkh hast du jeden Monat vom 31.-11. die Möglichkeit, während eines 10 Tage Retreats die Grundlagen der Meditation basierend auf Ānāpānasati zu lernen. Alles was du dafür brauchst ist dein Körper, deine Atmung und eine gute Portion Durchhaltevermögen. Außerdem bekommst du enorm viel theoretischen Input bei den „Dhamma Talks“. Während der Meditationen nutzt du dieses Wissen um deine Praxis zu vertiefen. Du bleibst während der ganzen Zeit achtsam bei deinem Atem und erlebst dabei die Auswirkungen auf deinen Körper. Es geht darum, die Welt mit einem befreiten Geist und klarem Blick zu sehen. Mit deiner Atmung schaffst du es, Gedanken, Gefühle und deinen Körper zu beobachten, zu kontrollieren und zu verändern. Wenn du die Kunst von Ānāpānasati übst, beruhigst du deinen Körper. Du befreist deinen Geist von störenden Gedanken und mit jedem Atemzug kommst du dem Glück der Erkenntnis näher.

Meine Erfahrung im Wat Suan Mokkh

Ich freue mich schon so lange auf diesen Tag und doch habe ich ein mulmiges Gefühl, als ich durch die heiligen Hallen
des Wat Suan Mokkh schreite. Natürlich bin ich die Einzige, die Schulter und die Knie noch nicht bedeckt hat und werde bei der Registrierung freundlich darauf hingewiesen. Die Atmosphäre in Suan Mokkh ist magisch. Buddhadasa Bhikkhu gründete den „Garten der Befreiung“ im Jahr 1932 und verlegte ihn etwa 10 Jahre später an seinen jetzigen Standort, 50 km nördlich von Surat Thani. Insgesamt 150 Teilnehmer wollen den Weg zur inneren Weisheit finden. Der Februar ist der bestbesuchte Monat. Ich gebe meine weltlichen Güter wie Handy und Laptop ab und beziehe das kleine Zimmer mit gemischten Gefühlen. Hallo Holzkissen, wir haben uns lange nicht gesehen!

 Ānāpānasati Healthylifebalance Suan Mokkh

Am Abend treffen wir uns gemeinsam in der Meditationshalle und läuten feierlich das Schweigen ein

Jetzt wird es ernst. Das Schweigen bereitet mir am wenigsten Sorgen, dafür aber das frühe Aufstehen. Um 4:00 Uhr werden wir sanft von der Glocke geweckt, die aus dem Gehäuse einer Bombe vom Vietnamkrieg gefertigt wurde. Was einst der Zerstörung diente ruft heute die Menschen zusammen, die gemeinsam Frieden suchen. Inneren Frieden. Denn dieser ist die Grundlage für den Frieden im Außen. Den eigenen Geist zu reinigen ist der Kern vom Buddhismus und Ānāpānasati ist das Werkzeug, was uns zur Erleuchtung führen soll.

Die Welt und die Natur mit einem klaren Blick sehen, ungetrübt von Empfindungen, Meinungen und Gedanken.

 Ānāpānasati Healthylifebalance Suan Mokkh

Das Glück ist nur einen Atemzug entfernt

Täglich lauschen wir den Weisheiten der Mönche und spirituellen Freunde. Wir erlangen Glückseeligkeit, wenn wir uns auf den Atem fokussieren. Das Leben geschieht im Hier und Jetzt. Wenn wir uns in unseren Gedanken verlieren, dann gehört das Leben der Vergangenheit an. Die Zukunft ist unklar – vielleicht werden wir schon morgen nicht mehr aufwachen? Ich kann mir  ganz gut vorstellen, die nächste Nacht nicht zu überleben. Die Schmerzen die ich vom Sitzen in Meditationspose und vom Liegen auf den Holzbetten habe, werden täglich schlimmer. Wenn ich doch nur bei meinem Atem bleiben könnte, denn der Schmerz gehört nicht zu mir. Wir sollen unser Ego auflösen, denn es gibt kein Selbst, kein Ich und kein Mein. Das alles sind Gedankenkonstrukte, die uns von unserer wahren Natur entfernen. Wir sind nur einen Atemzug vom Glück entfernt, wenn da nur nicht diese verrückten Gedanken wären…

Die ersten vier Schritte von Ānāpānasati – Atmen mit System

Wir lernen Ānāpānasati in 16 Schritten wobei Schritt 1 – 4 die Grundlagen bilden. Du kannst es in 3 Tagen lernen, in 3 Wochen oder in 3 Monaten. Es kommt darauf an, wie diszipliniert du bist. Do solltest dich auf keinen Fall entmutigen lassen. Vertrauen und dranbleiben ist gefragt.

Hier sind die ersten 4 Schritte von Ānāpānasati:

  1. Der lange Atem (Du atmest lange aus und weist:“Ich atme lange aus“; du atmest lange ein und weist:“Ich atme lange ein“)
  2. Der kurze Atem (Kurz ausatmend, weist du:“Ich atme kurz aus“; Kurz einatmend, weist du:“Ich atme kurz ein“)
  3. Erleben deines Körpers in Verbindung mit dem Atem (Ich erlebe meinen ganzen Körpers, während ich ausatme. Ich erlebe meinen ganzen Körper, während ich einatme)
  4. Beruhigung des Körpers mit der Atmung (Ich atme lange ein und beruhige meinen Körper. Ich atme lange aus und beruhige meinen Körper)

Die komplette Anleitung hier kostenlos und ohne Registrierung downloaden:

 Ānāpānasati Healthylifebalance Suan Mokkh

Ānāpānasati – Die sanfte Heilung der spirituellen Krankheit

 

Wie dein Atem deinen Körper beeinflusst

Wenn du dich mit den ersten vier Schritten vertraut gemacht hast und darin sicher bist, kannst du die weiteren Schritte angehen. Du lernst, deinem Atem zu vertrauen und bringst deinen Geist dazu, sich zu fokussieren. Du erhöhst damit deine Konzentration und lernst, deine Gedanken, deine Gefühle und deinen Körper zu kontrollieren. Wenn du die Kunst von Ānāpānasati beherrschst, kannst du mit einem Atemzug störende Gedanken vertreiben. Du kannst deinen Körper beruhigen, wenn du gestresst bist oder aufputschen, wenn du wenig Energie hast. Dein Atem hat die Macht, dich abzukühlen oder aufzuheizen. Alles, was du dafür tun musst, ist dran bleiben und nicht aufgeben!

 Ānāpānasati Healthylifebalance Suan Mokkh

Der Mittelweg am Beispiel der Körperhaltung

Der Buddha ist durch den Mittelweg zur Erleuchtung gelangt. Was ist der Mittelweg? Ich glaube, das bedeutet für jeden etwas anderes. Meditation ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, deinen Mittelweg, deine Balance zu finden. Neben der Sitzmeditation haben wir auch Gehmeditation geübt. Bei der Gehmeditation konzentrierst du dich nur auf deine Schritte und führst diese langsam und achtsam durch. Dabei hast du die Möglichkeit zu beobachten, wie du dich bewegst. Deine Körperhaltung sagt viel über deine Art zu leben aus und bestimmt mit, wie du dich fühlst. Du kannst beobachten, wo du Schmerzen hast. Vielleicht ist deine Körperhaltung verantwortlich für diese Schmerzen? Gehst du mit gebeugtem Rücken? Wie stehen deine Füße? Sind deine Wirbelsäule und deine Hüfte in Balance? Ich habe hier oft extreme Bewegungen in die eine und danach in die andere Richtung gemacht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Haltung sich ausbalanciert anfühlt.

Minimalismus im Wat Suan Mokkh

Der Kompfort beim Schweigeretreat ist auf ein Minimum reduziert. Wir „duschen“ in traditionellen thailändischen Bädern (siehe Bild). Es gibt keine Toilettenspülung – das Wasser wird via Plastikschale in die Schüssel befördert. Natürlich gibt es auch keine Waschmaschinen – wir waschen unsere Kleidung von Hand. Die zwei täglichen Mahlzeiten versorgen den Körper mit ausreichend Nährstoffen. Die Mönche ernähren sich oft nur von einer Mahlzeit am Tag. Morgens gibt es eine Reissuppe und Obst, Mittags Reis mit Gemüse und Obst oder ein süßes Dessert aus Reismilch und Bohnen. Wir sind uns einig – das Essen ist das unschlagbar lecker. Abends gibt es einen Tee oder heißen Saft – ich muss sagen, dass ich mich ab Tag drei so sehr daran gewöhnt hab, dass ich keinen Hunger mehr hatte. Von 21:30 bis 4:00 Uhr ist Schlafenszeit – auch das ist absolut ausreichend für den Körper. Vorausgesetzt, du kannst schlafen. Ich bin zwischendurch einige Male aufgewacht – den nächtlichen Schlafmangel konnte ich allerdings mit einem Mittagsschläfchen ausgleichen.

 Ānāpānasati Wat Suan Mokkh Healthylifebalance

Mit Yoga & Taiji in den Tag starten

Nach der täglichen Morgenlesung mit anschließender Meditation machen wir uns auf den Weg zum Yoga. Um 5:15 begrüßen wir mit achtsamen Bewegungen den neuen Tag. Ich liebe es zu beobachten, wie die Sonne aufgeht und der Himmel in surrealen Farben zu leuchten beginnt. Entspannt und gedehnt genießen wir noch eine Meditation, bevor wir unsere Reissuppe verspeisen dürfen.

 

Yoga Ānāpānasati Healthylifebalance Suan Mokkh

Heiße Quellen laden zum Entspannen ein

Mein Highlight des Tages sind die heißen Quellen. Jeden Abend gegen 18:45 wandere ich bekleidet mit meinem Sarong und bewaffnet mit der Laterne zur heißen Quelle. Die Quelle hat ca 42 Grad und ist der perfekte Ort zum Entspannen. Für gewöhnlich treffe ich nach Sonnenuntergang ein. So bewundere ich im heißen Wasser schwebend den von Palmen umsäumten Nachthimmel mit seinen funkelnden Sternen. Einfach traumhaft. Negative Gedanken und Schmerzen gehören mit dem ersten Schritt in die Quelle der Vergangenheit an. Hier verweile ich wahrhaft im Gegenwärtigen Moment und verbeuge mich ehrfürchtig vor der Erhabenheit der Natur.

Hot Spring Ānāpānasati Healthylifebalance Suan Mokkh

 

Fazit – Wir sind alle Studenten des Lebens

10 Tage Schweigen im Wat Suan Mokkh – was soll ich sagen. Es ist eine Achterbahnfahrt. Ich habe so viel gelernt über den Buddhismus und Ānāpānasati und ich bin so dankbar, von jahrelang praktizierenden Mönchen lernen zu dürfen. Es gibt wenige Orte, wo die Inhalte des Buddhismus so echt und unverfälscht gelehrt werden. Suan Mokkh steht für Wahrheit, Befreiung und liebevolle Güte – das spürt man hier überall. Es ist ein harter Weg und ich bin mehr als einmal an meine Grenzen gestoßen. Obwohl ich oft an Aufgeben gedacht habe, bin ich hartnäckig dran geblieben. Aufgeben ist keine Option. Ich weis, wofür ich das mache: Für tiefere (selbst) Liebe und für ein Leben im gegenwärtigen Moment. Ich möchte mein Leben mit glücklichen Momenten füllen, Hoffnung und Liebe verbreiten. Die Welt ist ein friedlicher Ort – wir müssen nur aufhören, Krisen zu erschaffen. Innen wie Außen.

„Der gesamte Kosmos ist eine Gemeinschaft. Die Sonne, der Mond und die Sterne leben als Gemeinschaft zusammen. Das gleiche gilt für Menschen und Tiere, Bäume und die Erde. Wenn wir erkennen, dass die Welt ein gegenseitiges, interdependentes, kooperatives Unternehmen ist, dann können wir eine edle Umgebung aufbauen. Wenn unser Leben nicht auf dieser Wahrheit beruht, dann werden wir zugrunde gehen.“ Buddhadasa Bikkhu

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